Schweiz Jungfrau Marathon 2001


20 Laufvereinangehörige starteten beim 9. Jungfrau- Marathon in der Schweiz – über 3700 Teilnehmer aus 48 Nationen – Schneefall im Zielbereich.
Letzten Donnerstag starteten 28 LV- ler in die Schweiz zum Jungfrau- Marathon. Über München, Lindau, Bregenz erreichte man St. Gallen. Hier regnete es bereits und das setzte sich auch weiterhin fort über Zürich und Bern bis zum Zielort Interlaken im Berner Oberland. Quartier wurde bezogen im Strand- und Golfhotel Neuhaus am idyllischen Thuner See.

Am Freitag, nach einem ausgiebigen Frühstück fuhr man nach Lauterbrunnen, einer Ortschaft durch die der Marathon führt. Von hier aus und auch auf der Fahrt zum Ort konnte man einen Großteil der ersten 20 Kilometer einsehen und sich darauf einstellen. Leider regnete es noch immer und alle Berge ringsum waren Wolkenverhangen. Nach einem Stadtbummel in Interlaken besuchten die Deggendorfer die Marathon- Messe im Kursaal und holten dort ihre Startunterlagen für den Lauf am Samstag ab.

Die abendliche Pastaparty im Startzelt auf dem Höheweg litt auch unter dem schlechten Wetter. Die Kohlehydratspeicher wurden trotzdem mit Spaghetti ausreichend aufgefüllt. Man ging rechtzeitig schlafen, um am nächsten Tag fit zu sein. Aber einige schliefen vor Aufregung doch nicht so gut, dabei dachten sie weniger an die Streckenlänge, die hatten sie schon öfter bewältigt, sondern mehr an die 1800 Höhenmeter die es zu überwinden galt.

06.15 Uhr Frühstück, im Augenblick regnete es nicht, ein weinig Hoffnung, die Videobilder vom Zielbereich auf der kleinen Scheidegg (2091 m ü. M.) zeigen Nebel und 0° C, nicht sehr erfreulich, es stellte sich die Frage nach der richtigen Laufbekleidung.

07.15 Uhr Abfahrt zum Startgelände, Kleiderabgabe im Kursaal für den Transport zum Ziel, Vorbereitung zum Start, Aufwärmen, eine Mädchengruppe tanzte vor dem Startzelt, eine Musikkapelle zieht ein und dann ist es soweit, der Sprecher begrüßt die 3712 Läuferinnen und Läufer aus 48 Nationen und ruft sie an den Start, der in verschiedenen Sektoren eingeteilt war.

08.45 Uhr , pünktlich erfolgte der Startschuss und unter tosendem Beifall von über 1000 Zuschauern setzt sich das Marathonfeld in Bewegung, leider hat fast gleichauf mit dem Startschuss auch der Regen wieder eingesetzt, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat.  Nach einer Runde von 3 Kilometern im Ort wird das Startzelt vor dem Grand Hotel nochmals passiert, dann geht es am Bahnhof Interlaken- Ost vorbei nach Bönigen an den Brienzer See. Musikkapellen, Kuhglockengruppen und begeisterte Zuschauer säumen trotz des miserablen Wetters den Weg. Nach der Überquerung des Gebirgsbaches Lütschine über eine Holzbrücke wird der km 10 in der Ortschaft Wilderswil erreicht. Die Strecke verläuft noch flach auf dem Asphalt, dann aber geht es los, der erste Anstieg, die Schritte werden etwas kürzer, die Straße mündet in einen Wanderweg, es regnet immer noch, der Weg ist übersät mit Pfützen, vorbei geht es an der kleinen Ortschaft Zweilütschinen, wo das 15 km Schild steht. Weiter steigt es leicht bergan entlang des Baches Lütschine, der immer reißender wird, nach einer erneuten Überquerung des Baches und nach einer S- Kurve wird das Marathondorf Lauterbrunen und der km 20 erreicht. Sehr viele Zuschauer stehen hier wieder an der Strecke, unter ihn auch die Deggendorfer Begleitpersonen, die zwischenzeitlich mit der Bahn von Interlaken hierher gekommen sind. Zwischen bis zu 500 m hohen Kalkwänden und vorbei am höchsten Wasserfall der Alpen; dem Staubbachfall, wird die Halbmarathon Markierung erreicht.

Annähernd 280 Höhenmeter sind bereits überwunden, nun geht es aber erst richtig los: kurz vor km 26 steigt die Strecke sehr steil an, es wird erstmals gegangen, in 26 Serpentinen zieht sich der Weg hoch bis zum autofreien Ski- Weltcup- Ort Wengen, Ziel des Lauberhornrennens, des längsten Abfahrtsrennen im Weltcup, 500 Höhenmeter auf 4 km Strecke, eine erste Schlüsselstelle. In Wengen erneut eine Riesenstimmung, Anfeuerungen durch hunderte von Zuschauern, Buben die ihre Hände zum Abklatschen für die Läufer ausstrechen, km 30 ist erreicht, der Regen lässt nach, 1000 Höhenmeter stehen noch bevor. Auf Höhe km 33 geht es unter dem Lauberhorngipfel vorbei, leider ist er wolkenverhüllt. Beim Passieren des Haneggschusses, eines Streckenteils der Lauberhorn Abfahrt, ein kurzer Blick zurück auf Wengen, das zwischenzeitlich 300 m unterhalb liegt. Die Beine werden immer schwerer und schwerer, die Knochen tun schon weh, Gott sei dank regnet es im Augenblick nicht, einzelne Zuschauer rufen die Vornamen der Läufer, die sie von den Startnummern ablesen können, das baut einen wieder etwas auf. Über die Mettlenalp erreicht, es kann wegen der Steilheit der Strecke kam mehr gelaufen werde,. Der Wanderweg wird immer dreckiger und glitschiger, es kommt fast die Sonne durch, leider wird der Blick auf das Dreigestirn Eiger, Mönche und Jungfrau nicht frei, es geht kurz abwärts zur letzten großen Verpflegungsstelle Wixi auf 1830 m Höhe. Nun geht es auf einen Bergpfad weiter, längst gibt es nur noch einen Gegner: den eigenen Körper, einfach durchhalten, km 39 wird passiert, die Schneefallgrenze ist erreicht, es ist alles noch weiß vom Schneefall am Vormittag, ein Alphornbläser trotzt den widrigen Witterungsverhältnissen und bläst seine Töne in das Tal, wohltuende Töne und man vergisst für einen Augenblick seine Schmerzen. Der schmale Weg wird fast unpassierbar und das steilste Stück des ganzen Marathons folgt erst, die 2000 m Grenze ist überschritten und es geht auf dem schmalen Grad der Eigergletscher- Moräne weiter aufwärts zu km 40, es ist inzwischen sehr kalt geworden, Nebel zieht auf und ein unentwegter Dudelsackpfeiffer im Schottenrock an der Strecke ist mehr zu hören als zu sehen.

Mit letzter Kraft wird der höchste Punkt der Strecke am Eigergletscher (2205 m ü. M.) bei km 41 erreicht.

Jetzt geht es abwärts zum Ziel, zur kleinen Scheidegg auf 2091 m , auch nicht mehr einfach auf dem nassen Weg und nach so langer Laufzeit. Endlich am Ziel, total erschöpft, aberglücklich und stolz, den eindrücklichsten und abenteuerlichsten Marathon Europas geschafft zu haben.

Sehr erfreulich, dass alle 20 gestarteten LV’ler heil ins Ziel gekommen sind und auch in der Zeit geblieben sind (max. 6:30 Std.)

Die Platzierungen der LV- Angehörigen können sich sehen lassen. Georg Brandl, Hans Maurer, Josef Wurm und Werner Balhuber liefen unter die ersten 500 der Männergesamt- wertung und Gerti Brandl landete bei den Frauen auf Platz 36.


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